Therapiedackel Emmi und Naia

Unsere Dackel wurden von mir drei Jahre lang im Rahmen meiner logopädischen Arbeit mit hörgeschädigten Kindern im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Oldenburg als "Therapiedackel" eingesetzt. 

 

Natürlich ist ein "Therapiedackel" kein geschützter Begriff. Da es in der "Therapiehunde-Szene" wahre Begriffs-Schlachten um die korrekte Bezeichnung gibt (Therapie-Hund, Therapiebegleithund, Mensch-Hund-Therapie-Team, usw. usw.) und es generell noch keine staatliche Anerkennung einer solchen Ausbildung gibt, habe ich für mich den Begriff "Therapiedackel" für gut befunden.

  

Wie kam es nun dazu, dass Emmi und Naia mich zu meiner Arbeit begleiteten und mich dort unterstützten?

 

Ich arbeite als Logopädin mit hörgeschädigten Kindergartenkindern.

2011 habe ich begonnen, unsere Meerschweinchen einmal wöchentlich mit zur Arbeit zu nehmen, um den Kindern den Umgang mit Tieren allgemein und auch speziell mit Meerschweinchen nahezubringen. Bei uns zu Hause leben 5 Meerschweinchen in einer Familiengruppe in einem 8 qm großen Außenstall.

Einmal wöchentlich habe ich also jeweils zwei unserer Meerschweinchen zu meiner Arbeit mitgenommen, die Tiere mit den Kindern gepflegt, gefüttert, Fragen beantwortet, Wissenswertes vermittelt. Gemeinsam mit jedem Kind habe ich ein "Meerschweinchen-Heft" angelegt, in das die Kinder wichtige Dinge wie den Käfig, das Futter, usw. malten, und in das wir Fotos von dem jeweiligen Kind mit den Meerschweinchen klebten.

Ich hatte nicht damit gerechnet, mit welcher Begeisterung die Kinder dieses Thema aufnehmen würden, und wie schnell sie sich an die immer vertrauter werdenden Tiere gewöhnen!

Für die Kinder waren es tolle Lerneffekte im sozial-emotionalen und sprachlichen Bereich.

Bei diesem schönen Erfolg war der nächste Schritt fast schon logisch:

wenn solche positiven Erlebnisse und Entwicklungen mit Meerschweinchen möglich waren - wie toll wäre dann der Einsatz eines Hundes, der eine noch größere Bandbreite der Kommunikation und Interaktion bietet?!

 

Mit dieser Intention nahm ich Kontakt auf zu Emmis Züchtern. Tatsächlich gab es dort aktuell einen Wurf, den ich mir natürlich gleich ansehen wollte. 

Unsere Emmi war zu diesem Zeitpunkt 5 Wochen alt. Wir besuchten sie regelmäßig bei der Züchterin, bis wir sie im September 2012 im Alter von 9 Wochen mit nach Hause nehmen konnten.

 

Da ich mein Ziel, sie bei der Arbeit "einsetzen" zu wollen, vor Augen hatte, begann ich direkt, Emmi darauf behutsam vorzubereiten. Ich wurde Mitglied beim DTK (Deutscher Teckelklub 1888 e.V.) und nahm mit Emmi an der Welpenspielstunde der DTK Ortsgruppe Oldenburg teil. Diese ging über in den Junghundekurs.

In dieser Gruppe haben wir auch den Begleithundekurs absolviert und im Juni 2013 die BHP1 (Begleithundprüfung 1) im 1.Preis bestanden.

Im Alter von 13 Wochen besuchte ich mit Emmi die erste Klasse einer Grundschule. Bei diesem Besuch verhielt sich Emmi durchgehend entspannt und offen, sie hat sich sichtlich über den Kontakt mit den Kindern gefreut.

Weiter nahm ich sie mit zu Stadtbummeln, in ein Einkaufszentrum, in Cafés und Restaurants.

Mit Kindern hatte Emmi tagtäglich Kontakt - durch unsere beiden eigenen Kinder und deren Freunde.

 

Als Emmi 1 Jahr alt wurde, begann ich, sie stundenweise an meinen Arbeitsplatz mitzunehmen. Ich habe dort einen eigenen Therapieraum, in dem Emmi eine Schlafbox und einen Liegeplatz aus Kissen hat. Sie kann sich frei im Raum bewegen, läßt sich aber auch problemlos für eine Therapie-Einheit in die Schlafbox "verbannen", falls ein Kind noch sehr unsicher ist.

Emmi kennt viele Kommandos, Tricks und Übungen, die ich mit ihr mit dem Clicker-Training vermittelt habe. Diese Kommandos hat sie als Hör- und Sichtzeichen gelernt, so dass hörgeschädigte Kinder, die noch keine Lautsprache haben, ihr die Kommandos per Gebärden geben können.

 

Zwischenzeitlich machten Emmi und Naia gemeinsam mit mir neben den Einzelstunden auch Gruppenstunden, d.h. wir besuchten zeitweise Kindergarten-Kleingruppen von 3-5 Kindern.

Die Inhalte und Übungen sind individuell abgestimmt auf das Alter und den Entwicklungsstand der jeweiligen Kinder.

Insgesamt begleitete Emmi mich drei Jahren (Sep. 2013 - Sep. 2016) täglich zur Arbeit.

Naia hat mich ein Jahr lang zu meiner Arbeit begleitet und die Kinder mit ihrer lieben und geduldigen Art begeistert!

 

Emmi in unserem Therapie-Raum. Und unser "Emmi-Koffer", in dem sich alle Utensilien befinden, die wir für eine Therapiestunde mit dem Hund brauchen.

Da einige Kinder noch nicht lautsprachlich kommunizieren, gibt es jede Übung auch als Bildkarte, die von dem Kind ausgewählt und vorne an den Koffer geklebt werden kann.

So können auch Kinder ohne Lautsprache mittels der Karten und Gebärden den Inhalt und den Ablauf der Stunde mitgestalten.

 

 

 Bildergalerie von der Arbeit:

Früh übt sich, was einmal ein Therapie-Teckel werden will...

Emmi mit vierzehn Wochen.

Ein formvollendet gegebenes Sichtzeichen "Platz".   Toll!


Emmi würfelt für uns. Entsprechend dreht man eine Bildkarte um und sagt den Begriff oder einen Satz.

Kuschel-Einheiten mit Emmi geniessen die Kinder immer ganz besonders.



Auch hier das Sichtzeichen "Platz" - noch vom sicheren Hochstuhl aus gegeben.

Die Kinder fertigen mit mir zusammen ein "Emmi-Heft" an. Fotos, Texte, eigene Fortschritte und der richtige Umgang mit Hunden (Präventionsarbeit) werden hier gemeinsam festgehalten.


Emmi wird gemalt. Genaues Hinschauen ist gefragt: wo genau ist der Hund schwarz, wo ist er braun?

Straßentraining.

Wir gehen mit Emmi Gassi und beachten alle Regeln, die bei einem Spaziergang mit dem Hund wichtig sind!





Nach getaner Arbeit ... relaxen im Spiele-Regal.





... oder Entspannen in der Schlafbox!